Immer mehr Produkte lassen sich einfach im Internet bestellen. Aber Achtung, hinter manchem Angebot verbergen sich ungeahnte „Risiken“ in Deutschland.

Tattoofarben zum Beispiel müssen der Tätowiermittel-Verordnung entsprechen. Ohne Frage, wie kann oder sollte ein Tätowierer das beurteilen können. Da gehört natürlich eine Portion Vertrauen zum Händler/Hersteller dazu. Bei deutschen Herstellern darf man sich da deutlich in Sicherheit wiegen und bestimmt gibt es auch europäische Hersteller, die die Verordnung kennen und derer Farben dem auch entsprechen. Im Zweifel: lasst es Euch (schriftlich) bestätigen.

Wichtig (bzw. praktisch) ist es auf jeden Fall, wenn Ihr die Farben bei einer deutschen Firma kauft.

Andere Thematik: Anästhetika sind (meistens rezeptpflichtige) Arzneimittel.

2006 fand eine massive Änderung im Arzneimittelgesetz (AMG) statt. So wurden lokale Anästhetika zu rezeptpflichtige  Arzneimitteln. Sicher gibt es noch vereinzelte freiverkäufliche Präparate in der Apotheke, die sind aber entweder sehr sehr gering dosiert und/oder für andere Einsätze gedacht. Auf jeden Fall sind es aber Arzneimittel, derer Handel in Deutschland sehr strengen Vorschriften unterliegt.

Wirklich „böse“ sind auch dazu so manche Angebote im Internet. Sie sprechen gar nicht von Arzneimittel, bestenfalls noch von einer betäubenden Wirkung. Das alleine (Inhaltsstoff, Konzentration und Wirkung) macht sie aber u.U. schon zu einem Arzneimittel, womöglich sogar zu einem verschreibungspflichtigen.

Die Tatsache, dass Ihr es einfach im Internet bestellen könnt, macht es nicht einfach.
Denn:

Diese Produkte sind in Deutschland nicht verkehrsfähig, weil eine deutsche Zulassung fehlt. Somit handelt es sich ggfs. um eine illegale Einfuhr (schon diese ist strafbar gem. §96 Nr. 4 AMG), ganz wichtig, wenn der Verkäufer im Ausland sitzt. Das In-Verkehrbringen ist obendrein ein Straftatbestand (§96 Nr. 5 AMG).

Super wichtig für jeden: wer sich so ein Produkt verschafft, macht sich strafbar. Auch wenn es das Internet-Angebot einer deutschen Firma/Person ist.
Jede Form von Handel (z.B. Import, Kauf, Verkauf) ist schlicht strafbar, eben wenn es sich um Produkte handelt, die per Gesetz Arzneimittel sind, die aber keine Zulassung haben (und apothekenpflichtig sind).

Solltet Ihr unsicher sein, sprecht uns an! Bzw. schreibt uns eine Mail oder Message.

TIPP: in den Meldungen der RAPEX tauchen auch mal Produkte auf, die uns betreffen. Einfach den Newsletter abonnieren oder einmal die Woche rein schauen.

————————————————————————————————

Anmerkung der Autorin, ganz persönlich und privat:

Neben allen juristischen Aspekten, gibt es auch die der Vernunft. Jedes Anästhetikum hat Risiken und Nebenwirkungen. Ich selbst habe das mal vor vielen Jahren erfahren dürfen. Rund 1,5 Stunden nach einer mehrstündigen Tattoositzung und dem Einsatz von „Püppchensalbe“ kippte ich zuhause aus den Schuhen. Ich hatte Glück, denn ich fiel auf das Sofa, wo ich auch einige Minuten später wieder zu mir kam – darüber bin ich froh und dankbar, denn das hätte natürlich auch anders ausgehen können.

Tätowierer, die die Wirkung solcher Mittel über das Wohl Ihrer Kunden stellen, nur damit sie „in Ruhe“ schnell durcharbeiten können, haben das Maß ihrer Verantwortung nicht verstanden.
Das Schmerzempfinden ist eine natürliche und gute Einschätzung des Körpers, was er noch ertragen kann.
Wird oder ist es zu groß, dann ist es eben Zeit auf zu hören. Ganz einfach.

————————————————————————————————

Carolin Stutzmann

Essen, 30. Juli 2012

 

Comments are closed.